Musizieren im Internet
aus oPp-Musik, die offene Internetplattform für Musik (www.opp-musik.de)
Matthias Krebs
... in Arbeit ... Dieser Artikel befasst sich mit Musik, die unter Einbeziehung der spezifischen Möglichkeiten und Bedingungen des Internets entstehen kann. Aus Recherchen zum Thema "Musikmachen im Internet" (Arbeitstitel) sollen hier sporadisch einige Funde vorstellt werden. Vielleicht finden sich auch Interessenten zum gemeinsamen Musizieren/Improvisieren über das Internet. Zur Strukturierung wird zunächst nur zwischen Soundtoys und Netz-Instrumente unterschieden, die sich in ihrer Komplexität im musikalischen Ergebnis und auf der Interaktionsebene unterscheiden. Außerdem gibt es ganze Produktionsumgebungen (virtuelle Studios), die ich Audio-Live-Tools nennen möchte und mit denen sowohl Musik als auch Musikvideos im Web-Browser ohne spezielle Software auf dem eigenen Computer produziert werden können.
Folgende PlugIns (in einem weiteren Sinne Internetbrowser-Erweiterungen) werden zur Darstellung der hier aufgeführten Instrumente benötigt:
SoundtoysNanoensembleAutor: Antoine Schmitt | Technik: Shockwave Die als eine autonome Installation zu bezeichnenden Versuchsgruppen sind geradezu schon ein Klassiker unter den künstlerischen Soundtoys. Sich elastisch bewegende Teilchen (Röhren, Quader) wurden von Antoine Schmitt durch komplexe algorithmische Programmierung zu einzelnen charakteristischen Objekten - in Anzahl und Anordnung sich unterscheidenden Elementen - zusammengefügt. Schmitt beschreibt die Stücke als [...] instantaneous endless autonomes [...], als abstrakte Formationen aus Ton, Bild und Algorithmen, die sich bei jeder Ausführung anders verhalten. Führt man die Maus über einzelne Elemente so wird deren Bewegung gebremst und man kann den Klang des Systems beeinflussen. Trotzdem behalten die Installationen ihren Charakter einer eigenständigen Entität (im Gegensatz zum Instrument). Eine autonome Existenz im Netz, die man sich kaum aneignen kann, nicht benutzen - man kann sie besuchen wie einen physischen Raum. -> eine musikalische Poetik ...
VisualPlayerAutor: Kenji Yasakas | Technik: Java Umsetzung graphischer Logik in akustische Logik. Ein kontinuierlich laufender Cursor durchläuft ein Feld von 16x16 Kästchen. Interessant ist, dass der achtstufige Cursor sich nach jeweils 16 Schritten um 90Grad verdreht und dabei jedesmal die Interpretation von aufeinander folgenden und gleichzeitig klingenden Tönen gegeneinander austauscht. Eine Melodie entstehen zu lassen, ist entsprechend eine spannende Herausforderung an das logische Denken. weitere ähnliche Bsp.:
sonic SweetshopAutor: Jey Malaiperuman | Technik: Java, Flash Sonic Sweetshop ist ein grafisch orientiertes Interface mit Klängen. Mit der Maus werden Gebilde untersucht und dadurch Aktionen und Klänge ausgelöst, die wiederum weitere Ereignisse provozieren. Durch Interaktion mit dem System gelangt man in immer neue "Welten" und gelangt dadurch zu immer neuen Formen.
The Sound of MouseHAutor: Jannick Kirk Sorenson | Technik: Shockwave Auf einem kleinen Feld werden verschiedene Varianten eines Musikinstrumentes durch die horizontale und vertikale Bewegung des Mause-Cursors gesteuert. In der Mitte des Feldes befindet sich ein kleiner Punkt, über den man, wenn darauf klickt wird, zur nächsten Variante gelangt (scheinbar zufällig).
IntervalAutor: Jakob Brandt-Pedersen | Technik: Flash
Netz-InstrumenteWebDrum IIAutor: Phil Burks | Technik: JSyn WebDrum II ist ein simpler Sequenzer (monophone Perkussionsinstrumente und Melodieinstrumente), der nicht nur von einer Person allein, sondern auch von mehreren gleichzeitig über das Internet gespielt werden kann. Im Zusammenspiel wird die Kontrolle über die verschiedenen Instrumente geteilt und fremde Noten editiert bzw. das Instrument gelöscht und ein neues erzeugt. Über ein Chatfenster und einen Bewertungsfunktion (N---J) können die Musiker kommunizieren und ihr Stück planen. Alle Teilnehmer hören die selben Klänge.
gemeinsames Musizieren/Improvisieren über das Internet <---------------- db-707Autor: M/B Interactive | Technik: Flash, Beatnik-Erweiterung Der db-707 Synthesizer ist ein voll-funktionstüchtiges virtuelles Instrument, dass man über das Internet im Web-Browser spielen kann. Es hat eine Rhythmusautomatik-Einheit mit ca. 30 Styles, es erzeugt alle 100! standardisierten Midi-Klänge selbst und man kann diese Klänge sogar in einigen Charakteristiken - wie für einen Synthesizer üblich - modifizieren. Aufgrund der Tatsache, dass keine Netz-Fähigkeit vom db-707 Synthesizer genutzt wird, es also kein Unterschied macht, ob das Instrument im Internet gestartet wird oder auf dem eigenen Computer, passt diese recht gelungene Internet-Anwendung nicht in die Rubrik "Netz-Instrumente" und wurde nur zur Veranschaulichung des Begriffs hier vorgestellt.
Eternal Network MusicAutoren: Chris Brown und John Bischoff; Phil Burk | Technik: JSyn, Java Die beiden Netz-Instrumente Eternal Music und Aperture nutzen beide das JSyn-Technik von Phil Burk und sind interaktive Installationen der Komponisten Chris Brown und John Bischoff. Bis zu 4 Spieler können den Klang und die Harmonien von den 8 Oszilatoren des Synthesizers durch die Mausbewegung auf einem Spielfeld beeinflussen. Dabei unterscheiden sich die beiden Konzepte in Spielweise (Steuerung), algorithmischer Klangerzeugung und musikalischem Ergebnis stark. Wirklich interessant wird das musikalische Zusammenspiel erst, wenn mehrere Spieler gemeinsam das Instrument bedienen. Eine kurze Anleitung befindet sich unter der Anmeldung zum Netz-Instrument.
gemeinsames Musizieren/Improvisieren über das Internet <----------------
Audio-Live-ToolsBeatbox DJ MixerAutoren: M/B Interactive | Technik: Flash Der Beatbox DJ Mixer ist eine interaktive Musikkonsole mit der Musik aus einzelnen (Instrumenten-)Spuren zusammengemixt werden kann. Dazu wird aus einer Repertoire-Liste von etwa 20 Titel ein Set (8 Einzelspuren) ausgewählt, um dann Lautstärken und das Panorama der einzelnen Instrumente wie mit einem Mischpult (Mixer) variieren zu können. Ist man mit der Bedienung vertraut, kann man auch seine Kreation aufnehmen, wobei gleichzeitig die Zugriffe auf die Regler aufgezeichnet werden - man spielt also Live! Dabei entsteht nicht nur ein personalisierter Mix eines vorgegebenen Musikstückes, sondern kann ein eigenes kreatives Arrangement mit einzelnen Instrumenteneinsätzen für ein abgeschlossenes Musikaufnahme gestaltet werden, dass man abschließend per E-Mail zugesendet bekommt.
Mit dem Livebeat duo Mixer (an gleicher Stelle) könnte das interaktive Mischpult sogar zu zweit über das Internet bedient werden, doch reagierte der Server nicht auf meine Anfragen.
Red Bull FusionAutoren: u.a. Christopher Follett | Technik: Flash Als Beispiel einer interaktiven Werbeaktion möchte ich den aktuellen Red Bull Fusion-Mixer vorstellen (weitere von Konzept ähnliche Beispiele sind u.a. der FORD FUSION MIXER (aktuell offline), der Absolut DJ des dänischen Spirituosen-Konzerns Absolut (aktuell offline) oder der Bacardi DJ '06 (siehe unten)). Durch hin- und herbewegen der Maus mit gedrückter Maustaste auf dem Videofenster (scratchen wie mit einem Schallplattenspieler, wie ein DJ), werden die Bild- und Videofolgen gesteuert und auch das Scratch-Klang in die Musiktracks hineingespielt. Durch Drücken der Zahlen auf der Computer-Tastatur können zusätzlich Sound- und Grafikeffekte getriggert werden und die Performance wird zu einem sample-basierten Live-Musizieren.
Bacardi DJ '06Autor unbekannt | Technik: Flash Der Bacardi DJ ist ein sample-basierter Sequenzer. Zu Beginn muss sich der Benutzer zwischen 5 populären Musikstilen entscheiden (DrumNBass, Funky House, HipHop etc.). Auf der rechten Seite befindet sich eine sortierte Sample-Liste (Drums, Bass, Vocals etc.), aus der mit der Maus das gewünschte Sample in eine der 8 Spuren im Mixer links gezogen werden. In diesem Mixer werden die Sample-Name angezeigt und können Lautstärke und die Klangplazierung (Panning) eingestellt werden. Mittig befindet sich das Projektfenster, in welchem mit der Maus die Einsätze der jeweiligen Samples markiert werden (gelbe Quader). Fertige Tracks können schließlich als MP3 herunter geladen werden.
hobnox Audiotool DemoAutor unbekannt | Technik: Flash, Java
Flash-Spiele (zum Spaß)Die folgenden Links zu Flash-Anwendungen passen nicht in den Anspruch von musikalischen Möglichkeiten, die ein internetbasiertes Instrument bietet. Daher werden sie hier gesondert aufgeführt:
AusblickIn diesem Abschnitt will ich einige aktuelle Entwicklungen zu den Themen "webbasierte Medienproduktion", "Musikkultur im Internet" und "musikalische Internetanwendungen" vorstellen. Sie sollen einen Ausblick in "eine Zukunft" des Musikmachens im Internet zeigen.
Der Berliner Internet-Fernsehsender tape.tv startete mit einem Bestand von rund 12.000 Musikvideos und zeigen Musikvideos rund um die Uhr. Das komplette Angebot ist kostenlos und werbefinanziert. Nach dem Anschauen einiger Videos folgt ein einzelner, kleiner Werbeclip. Das Menü erlaubt die Ansicht im Vollbildmodus, die Regelung der Lautstärke sowie das Anzeigen der Playlist mit den kommenden Videos. Mit dem Skip-Button kann zum nächstfolgenden Video gesprungen werden. Die Genre-Auswahl erlaubt die Wahl aus derzeit acht verschiedenen Musikrichtungen wie Hip Hop, Alternative, Pop, deutsche Musik oder die Top 50. Gefällt ein Musikvideo besonders gut, so kann der Nutzer über den mit einem Herz-Symbol markierte Button weitere ähnliche Musikstücke auswählen. Künstler können auch direkt über die integrierte Suchfunktion gesucht werden und Freunde lassen sich per Mail über interessante Videos informieren.
Adtunes ermöglicht den kostenlosen Zugang zur Musik im Internet. Das Musikportal bietet eine Auswahl von über eine Million Liedern an, die legal über den PC gehört werden können. Die Nutzer können sich nach erfolgter Anmeldung völlig legal die Songs in bester Qualität einzeln und in voller Länge abspielen. Zudem können eigene Playlisten erstellt und von jedem Computer mit Internetanschluss in ganz Deutschland abgerufen. Neben einzelnen Liedern werden auch ganze Alben zur kostenlosen Nutzung angeboten. Ein Herunterladen ist aber nicht möglich. Allerdings müsse man sich laut Adtunes beeilen. Nur die ersten 100.000 User werden unmittelbar nach dem Start zugelassen. Dann wird die Registrierung zunächst geschlossen werden, um eventuelle Serverprobleme in den ersten Tagen zu vermeiden. (Q: nz/AG)
Das Peer-to-Peer-Netzwerk Qtrax möchte die Internetgemeinde kostenlos und legal mit Musik versorgen. Laut Anbieter wird die Tauschbörse dabei von den großen Plattenlabels (Warner Music, Universal und EMI) unterstützt. Dies klingt eigentlich zu schön, um wahr zu sein, und doch hat Universal die Kooperation nun bestätigt. Von einem konkreten Vertrag wurde noch nicht gesprochen. Sowohl die Plattenfirmen als auch die Künstler werden für die Verbreitung ihrer Werke entlohnt. Dies soll durch "unaufdringliche" und themenbezogene Werbeeinblendungen während der Such- und Download-Vorgänge ermöglicht werden. Musikfans, die sich den Qtrax-Client herunterladen, sollen demnächst zwischen Millionen von Songs wählen können. Über den Player erlangen die Nutzer außerdem Zugang zu Musikvideos, Songtexten, Klingeltönen oder aktuellen News und können Musik direkt kaufen. (Q: DSLteam.de)
Mit der sich gerade neu entwickelnden Internettechnolgie Web-2.0 passen sich Internetinhalte bestimmten Umgebungen und Nutzern an. Das Studienprojekt "Brave New World" unter takethisdance.com zeigt eine neue Form des Musikvideos. Viele Videos werden heutzutage im Internet konsumiert, daher liegt es nahe, den traditionellen Inhalt in Echtzeit mit Daten aus diversen Web-2.0-Plattformen anzureichern. Das Musikvideo zum Song "Take this dance and forget my name" der deutschen Band "Alljoines" ist das erste dieser neuen Art und ist wegweisend für zukünftige interaktive Videoclips. In der unten dargestellten Timeline wird gezeigt, an welchen Stellen jeweils aktuelle Inhalte von z.B. Nachrichtenportalen in das Musikvideo (stillschweigend) integriert werden.
Die Hobnox-Plattform hat vier verschiedene Bereiche. Manche davon sind schon sehr weit, andere in Ansätzen entwickelt. Neben Web-TV-Channels mit Videoprogrammen (sortiert nach Musik, Film und Urban Culture) gibt es den Bereich Stage, einen Pool an nutzergenerierten Inhalten. Nutzer können dort Musik, Videos, Fotos selbst einstellen oder mithilfe internetbasierter Anwendungen mediale Inhalte erstellen. Besonderes Highlight ist ein Audio-Tool, mit dem Nutzer einfach selbst Musik machen und mischen können. Ein Videoprogramm wird bald folgen ... Wer sind die Kreativen? --- Das sind alle, die sich mit Medieninhalten beschäftigen und damit kreativ umgehen; Leute, die filmen, fotografieren, Musik machen, Texte schreiben; alle, die Ideen haben und entwickeln wollen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie gelernt haben, ihr Ding online zu machen, es aber nicht alleine durchziehen, sondern Verbündete suchen. Und finden. (aus dem Interview in der Netzzeitung)
Die kanadische Band Arcade Fire präsentiert ihre neue Single etwas anders: Auf einer Website wird der Song "Mirror Black" von den Nutzern selbst gemischt, indem 6 verschiedene Sound-Spuren individuell an- und auszuschalten werden können. So entstehen ganz neue Varianten der Single und einzelne Spuren können isoliert gehört werden. Die Fans der Band Arcade Fire werden somit ermuntert, verschiedene Facetten des Songs kennenzulernen. Dazu läuft das Musikvideo zum Song.
Auf der Website Xtra-Normal wird es dem Nutzer ermöglicht, selber Regisseur zu sein. In wenigen einfachen Schritten können Nutzer mit animierten (Plastik-)Figuren in einem dreidimensionalen Raum kurze oder auch längere Videoclips erstellen. Die Bedienung ist auch für absolute Neulinge schnell zu begreifen und verwendbar. Es gibt ein großes Angebot an Vorlagen und schon in wenigen Minuten ist ein kurzer Videogruß erstellt, der dann auf Youtube gestellt oder per E-Mail an Freunde weiter versendet werden kann.
Nach langer Vorbereitungszeit hat Software-Hersteller Adobe vergangene Woche die kostenlose Online-Version seines bekannten Bildbearbeitungsprogramms, Photoshop Express, für alle im Netz freigegeben. Doch wurde bekannt, dass Adobe sich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die der Photoshop-Nutzer nach der kostenlosen Registrierung bestätigen musste, umfangreiche Rechte an den Bildern der Nutzer zusicherte. Adobe sicherte sich in den AGB unter anderem das Recht zu, mit den in den öffentlichen Galerien gespeicherten Fotos Einnahmen erzielen zu können, die Bilder zu verändern und an anderer Stelle zu veröffentlichen. Für viele Internetnutzer, die sich schon auf die Internetversion von Photoshop gefreut hatten, war dies eher ein Knock-out-Kriterium. Diese Klauseln sollen nun aber entschärft werden, wie Adobe verkünden ließ. (vgl. Spiegel Online, 1.4.08) |













